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Arbeitsmänners Maaalzeit und gesumpfte Mailboxen
grußgeformelt
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  • Die Arbeitsmänner und jene, der sich dazugezählt wissen wollen, sagen »Maaalzeit«. Wenn die Kantine aufmacht oder aufmachen könnte bis zu dem Zeitpunkt, da die Kantine zumacht oder zumachen könnte, wo und wie auch immer, auch vor und nach dem Stuhlgang, heißt es »Maaalzeit«. Jene, die lieber »Guten Tag, Herr Mühlenbeck« zu sagen pflegen, finden das mit der »Maaalzeit« an unpassenden Orten seltsam.

    Bei denen von der Tagschicht wechselt es danach - je nach Wochentag - bei Sichtweite auf das tägliche Arbeitszeitende auf »Schönen Feierabend« oder »Schönes Wochenende«. Freitags gibt es keinen Feierabend. Schade eigentlich.

    Morgens, oder wie der Kenner sagt, »morgends«, ist es einfacher. »Morgen«, »'n'Morgen«, »Moin«, »Moinmoin«, »Morsche«, »Morje«, »Mrhm« - wie auch immer. Die von der Nachtschicht mäandrieren zwischen »Schönen Feierabend« und »Morgen«. Einen Feiermorgen hatte ich nie.

    Das »Frohe Neue Jahr« setzt am 1. 1. um null Uhr ein. Jeder Deutsche hat ein individuelles »FrohesNeuesJahr«-Kontingent, das er bis zum 25. 1. jeden Jahres abzuarbeiten hat. Marketing-Fuzzies und Kollegen/Bekannte/entfernte Verwandte haben ein erhöhtes Kontingent, das sie mit großen Anstrengungen bewältigen. Das führt zu einem »FrohesNeuesJahr«-Tsunami am 1. 1., der bis zum 10. 1. langsam nachlässt. Danach darf ein »FrohesNeuesJahr« gegen zwei »HabichIhnenSchonEinFrohesNeuesJahrGewünscht« getauscht werden. Die Jovialitätsergänzung ist »GutenRutschGehabt«.

    Die formale, verbindliche Begrüßung bedarf eines Handschlags - das aber nur einmal am Tag. Trifft man sich am selben Tag noch einmal, gibt es keine Begrüßung. Das ist mitunter bei Sitzungsfreaks eine intellektuell belastende Aufgabe: »Guten Tag, Herr A« - Handschlag, einen weiter - »Guten Tag, Frau B« - Handschlag, einen weiter - »Wir hatten schon« - einen weiter - »Guten Tag, Herr D, ach, wir hatten eigentlich schon« - einen weiter - »Tach Heinz« -...

    »FroheOstern«, Insider nennen es »FroheOktern«, »FrohePfingsten«, »FroherLeichnam«, hahaha, man froht frohgemut durch's Jahr bis hin zum »FrohesFest«. Was auch immer froh an Pfingsten sein könnte, es wird vermutlich etwas mit dem »AllesGute« zum Geburts-, Namens-, Jahres-, Mutter-, Vater- und sonstwas -tag zu tun haben.

    Die Formulierungen zum Glückwunsch und zur Gratulation werden stets durcheinandergeworfen. Es hört eh' niemand zu, auch nicht bei der Gratulation zum Vatertag. »VielenDankfürdieEinladung«, »passaufdichauf«, »fahrvorsichtig«, »ichrufdichan« ist noch belangloser als - nein - gibt es noch etwas belangsloseres?

    Der Urlaub ist »wohlverdient«, 'Weihnachen' wird stets zum »besinnlichen Weihnachtsfest«, die Fernsehnachrichten verbinden die Suche nach Opfern stets mit »fieberhaft« und bei Unfällen mit atomaren Dreck, Giftgasen und anderen milliardenschweren Betrügereien besteht stets »kein Anlass zu Besorgnis«. Redet da einer von Steuererhöhungen, kann ich sicher sein, dass ich weniger von meinem Lohn bekommen werde, geht es um Steuersenkungen, ist das ebenso und wenn es um Reform von Kranken- oder Rentenversicherung geht, ist es auch so, dass ich weniger haben werde. Gewiss ist das ein Ritual und gewiss geht es noch doller:

    Geburtstagslisten. Die werden in das eMail-Programm gestopft, das zum passenden Tag eine Nachricht »Alles liebe«, liebe/r *Vorname*« zusammen mit einem pitzepatzeputzeligen Geburtstagstortenblinkebildchen in fremde Mailboxen sumpft, die darauf mit dem Automatismus »Sehr geehrte/r Alle liebe, Ihre Nachricht ist eingegangen und wird schnellstmöglich bearbeitet.« zurücksumpfen.

    Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.